Zwillinge - vereint durch die Trennung
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Die Beachvolleyballer Dieckmann
Seit die Bonner Zwillinge Markus und Christoph Dieckmann nicht mehr zusammen Beachvolleyball spielen, sind sie noch erfolgreicher. ¸¸Es war schwer, das zu akzeptieren", sagt Christoph, der Jüngere. Beim olympischen Turnier in Athen sind sich die beiden dennoch sehr nahe.
Es regnet Sand, als ob es ein religiöses Ritual wäre. Es ist aber nur Markus Dieckmann, der vor Spielbeginn den Wind testen will. Unbeweglich steht er im Zentrum des olympischen Beachvolleyball-Stadions Faliro und lässt durch seine Hand den Sand herabrieseln. Ein Abbild der Andacht inmitten der Popmusik, den hüftschwingenden Go-Go-Tänzerinnen, den schunkelnden Zuschauern.
Christoph Dieckmann sitzt vor Aufmerksamkeit regungslos unter ihnen. Der Sand, den sein Zwillingsbruder regnen lässt, fällt schnurstracks zu Boden. Es weht kein Lüftchen, registrieren die Dieckmanns, der eine auf dem Feld, der andere auf der Tribüne. Sie sind in diesem Moment weiter denn je entfernt voneinander und sich gleichzeitig so nah wie schon lange nicht mehr. Dieckmann und Dieckmann, eines der begabtesten deutschen Beachvolleyball-Teams, mussten sich erst trennen, um unter die Weltbesten vorzudringen. Nachdem sie die Qualifikation für die Spiele in Sydney 2000 verpassten, suchte sich Markus einen neuen Partner, Jonas Reckermann. Christoph spielt nun an der Seite von Andreas Scheuerpflug.
Fern voneinander sind sie erfolgreicher als früher zusammen: Beide Paare gewannen in Athen ihre Auftaktspiele, gestern unterlagen Christoph Dieckmann und Andreas Scheuerpflug den Franzosen Stephane Canet/Mathieu Hamel mit 21:17, 18:21 und 10:15, haben aber noch Chancen auf das Achtelfinale. Die Europameister Markus Dieckmann und Jonas Reckermann sind ungeschlagen. Es sollte nicht wundern, wenn die Zwillinge weiter auf der Traumroute bleiben.
Zwillinge, weiter entfernt denn je. Es war Markus, der Christoph im September 2000 anrief und sagte, er würde sich einen neuen Spielpartner suchen. ¸¸Es war schwer, das zu akzeptieren", sagt Christoph Dieckmann, und er redet noch jetzt leiser, wenn er darauf zu sprechen kommt. Sie sind Zwillinge auf den zweiten Blick. Markus, acht Zentimeter kleiner und sieben Minuten älter, Abwehrmann, macht kaum Fehler, wenn es im Match hart auf hart kommt, er wächst am Widerstand.
Christoph, 1,98 Meter groß, Blocker am Netz, hat dieses Gefühl für den Ball in den Fingern, das man nicht lernen kann, mit 18 schon spielte er für Düren in der BundesligaHallenvolleyball. Markus, volles schwarzes Haar, strahlende Augen, nimmt einen sofort ein mit seinem Charme, seiner mit Selbstironie angenehm gemilderten Selbstsicherheit. Christoph, dünnes, helleres Haar, schmales Gesicht, wirkt zurückhaltend, fast sanft.
Als sie zusammenspielten und es nicht lief, brüllte Markus Dieckmann Christoph oft so laut an, dass sich Zuschauer erschreckten. Christoph Dieckmann sagt, die Leute hätten nicht mitbekommen, wie er leise zurückstichelte. Kurz nach der Trennung erlitt er einen Bandscheibenvorfall. Er hatte schon lange mit Schmerzen gekämpft, mit Tabletten gespielt. Oft kollabiert der Körper in dem Moment total, wenn die Seele leidet, Christoph Dieckmann kennt die These. Während er im Krankenstand ¸¸selber den Glauben verliert zurückzukommen", wird Markus Dieckmann 2002 erstmals Europameister.
Christophs Rücken überrascht ihn selbst mit der vollständigen Heilung. Aber auf dem Spielfeld führt sein Bruder längst ein anderes Leben. Nur wenn sie reden, spürt man die Verbundenheit, die gleiche Art zu denken, den gemeinsamen Hintergrund. Ihr Vater Jochen Dieckmann ist Nordrhein-Westfalens Finanzminister, die Mutter Bärbel Dieckmann die Oberbürgermeisterin von Bonn, sie sind in Athen unter den Zuschauern. Dass die Mutter den Heimflug für das Ende der Vorrunde gebucht hat, liegt nicht an mangelndem Vertrauen in die Söhne. ¸¸Sie muss Wahlkampf machen", sagt Christoph Dieckmann. Die Eltern hätten sich gewünscht, dass die Söhne als Team weitermachten.
Zwillinge, nahe wie lange nicht mehr. Als sie sich trennten, waren sie erst 24. Der Hunger der Jugend, der Ursache vieler ihrer Reibereien war, ist einem realistischeren Ehrgeiz gewichen. ¸¸Die Hemmschwelle unter Brüdern, aneinander zu geraten, ist gering", sagt Markus Dieckmann, ¸¸aber auch mit meinem neuen Partner habe ich Meinungsverschiedenheiten. Der Unterschied ist, dass wir nun immer einen Trainer dabei haben; eine dritte Person nimmt viel Spannung raus."
Christoph Dieckmann hat nachgedacht, wie es wäre, wenn sie noch zusammenspielten. Wahrscheinlich, sagt er, wären sie nicht so gut wie sein Bruder mit Jonas Reckermann. Aber vermutlich wären sie auch sehr erfolgreich. Es ist ihm nicht wichtig: ¸¸Ich bin froh, dass wir nicht mehr zusammenspielen", sagt Christoph, ¸¸weil ich jetzt mit meinem Bruder viel mehr Spaß habe." Sie sind immer noch die meiste Zeit zusammen, im olympischen Dorf wohnen sie im selben Haus. Die Spannung ist weg, seit sie keinen Anlass mehr haben, sich über die Fehler des anderen im Sand zu ärgern.
Zwillinge, vereint durch ihre Trennung.